von Pfarrer Klemens Müller

Auch in diesem Frühjahr feiern wir das Fest der Auferstehung unseres Herrn – Ostern. Doch zuvor gehen wir durch die Passionszeit. In diesen Tagen besinnen wir uns auf den Leidensweg Jesu. Die Evangelien berichten von verschiedenen Stationen, die Jesus dabei geht.


Jesus kommt mit seinen Jüngern nach Jerusalem. Das Passahfest steht bevor. Viele sind in die Stadt gekommen, um es dort mitzufeiern. Überall ist es voll. Im Tempel herrschte tagsüber großer Betrieb. Am Abend haben sie zusammen gegessen und getrunken. Wie immer – und doch anders. Ihre Gemeinschaft und Verbundenheit spüren sie an diesem Abend besonders. Und gleichzeitig liegt etwas Fremdes, Beunruhigendes in der Luft.

Dann will Jesus noch einmal hinaus. Gemeinsam gehen sie zum Garten Gethsemane. Es wird bald dunkel. Jesus möchte allein in den Garten hineingehen; die Jünger bleiben draußen zurück. Gethsemane – ein Ort des Rückzugs. Geborgen unter Bäumen, die seit Jahrhunderten stehen. Die Nacht senkt sich. Atem holen. Endlich allein sein können, mit allem, was ihn bewegt. Die Gedanken ordnen. Vor Gott zur Ruhe kommen. Stille.


Sich zurückziehen – manchmal sehnen wir uns danach. Raus aus dem Trubel und der Verantwortung für andere. Stille suchen, Abstand gewinnen. Die letzte Runde abends mit dem Hund: kaum ein Mensch unterwegs, der Sternenhimmel wie ein großes Zelt, Geräusche, die man tagsüber kaum wahrnimmt. Ein Moment der Ruhe. Ein Ort, an dem die Seele aufatmen kann. Stille, die ich auch in unseren Kirchen finde
– ob in Blasii oder auf dem Frauenberg. So manche Kirche ist nun wieder geöffnet.


Der Türgriff gibt nach, und ein anderer Raum öffnet sich. Ich trete ein, halte einen Augenblick inne und lasse den Raum auf mich wirken. Das tut gut. Ich setze mich und genieße die Stille – ich bin allein und bin
doch nicht verlassen. Stille suchen – auch im Gottesdienst. Gemeinsam mit anderen die Stille finden.


Jesus in Gethsemane. Ruhe vor dem Sturm. Aufgewühlte Gefühle und die Sehnsucht, mit sich und Gott ins Reine zu kommen. Der Garten Gethsemane – auch in meinem Alltag. Doch der Weg endet nicht in der Nacht. Aus der Stille wächst neue Kraft, aus der Dunkelheit neues Licht. So führt uns die Passionszeit hin zu Ostern – zu dem Fest, das uns zusagt: Das Leben hat das letzte Wort.

Foto old-door-193147_1920 von Bipin Bakle auf Pixabay