Vor zwei Jahren hat mir der Kirchenkreis die Aufgabe übertragen, mich um Gebäudekonzeptionen für die Pfarrbereiche zu kümmern. Welche Kirche soll zukünftig wie genutzt werden? Seitdem habe ich zahlreiche Sitzungen absolviert und in allen Pfarrbereichen Beratungen moderiert. Bei diesen Gelegenheiten ist es nicht zu übersehen: Die Kirchengebäude sind den Menschen wichtig. Durch Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Trauerfeier sind die Lebensgeschichten mit den Gebäuden verbunden. Und natürlich sind die Kirchtürme für die Erkennbarkeit unserer Dörfer und Städte ganz wichtig und tragen viel zum Heimatgefühl bei.

Im Psalm 26 finde ich einen ganz ähnlichen Ton: HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt. (Ps 26,8) „Liebhaben“ – das ist für unsere Ohren ein starkes Wort. So innig würden wir das vielleicht nicht ausdrücken. Aber dass die Kirche wichtig ist, das sagen die Menschen immer wieder.

Der Psalmbeter spricht natürlich nicht von einer Kirche. Das Haus Gottes ist der Tempel in Jerusalem. Im Psalm wird auf den Gottesdienst Bezug genommen: „Ich umschreite, HERR, deinen Altar, dir zu danken mit lauter Stimme und zu verkünden alle deine Wunder.“ Wir dürfen uns eine große Prozession vorstellen, bei der die Gemeinde laut in das Lob Gottes einstimmt .

Nachdem der Tempel in Jerusalem gebaut war, wurden die Altäre und Opferstätten in den Städten und Dörfern Israels allmählich entfernt, besonders im 7. Jh.v.Chr. Vor Ort gab es dann keine Gottesdienste mehr. Zu den großen Festen wanderten die Israeliten in die Hauptstadt, um dort mit ganz vielen zusammen zu feiern. Der Tempel wird zum Zentrum und – das hört man in diesem Psalm deutlich – zu einem Sehnsuchtsort.

Was ist mit dem „Ort, da deine Ehre wohnt“, gemeint? Ist da auch vom Tempel die Rede? Der Beter von Ps 26 betont, wie er sich von den Gottlosen fernhält: „Prüfe mich, HERR, und erprobe mich, läutere meine Nieren und mein Herz! Denn deine Güte ist mir vor Augen, und ich wandle in deiner Wahrheit. Ich sitze nicht bei falschen Menschen und habe nicht Gemeinschaft mit den Heuchlern. Ich hasse die Versammlung der Boshaften und sitze nicht bei den Gottlosen.“ (Ps 26,2-5)

Die Feste im Tempel werden den Zusammenkünften der „Gottlosen“ gegenübergestellt. Der Beter möchte Gott bewusst machen, dass es sich lohnt, ihn zu retten. Gottes Ehre wohnt da, wo Menschen auf die Güte schauen und nach der Wahrheit fragen.

Das passiert oft im Alltag, wenn wir die kleinen Entscheidungen treffen: Wem glaube ich? Für was oder wen setze ich mich ein? Wofür habe ich Zeit und wann sage ich nein? Das Haus Gottes, der Tempel oder die Kirchengebäude, die suchen wir am Sonn- oder Feiertag auf. Unsere Kirchen sind zu Gottes Ehre gebaut. Wenn wir dort Gottesdienst feiern, ist das auch ein Bekenntnis zu Gottes Größe. Aber auch unser Alltag soll zu Gottes Ehre beitragen! Wie wir leben, wofür und wogegen wir uns entscheiden, das zeigt, wie unser Herz beschaffen ist. Lasst uns leben zu Gottes Ehre – am Sonntag und an jedem Tag der Woche!