Verrätst du uns bitte, wer du bist?

Mein Name ist Edward Wegner. Ich bin 27 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder, einen 4 Jahre alten Sohn und eine 2 Jahre alte Tochter. Ich habe 7 Jahre in Berlin Evangelische Theologie studiert und bin nun Vikar bei Pfarrer Klemens Müller in Frauenberg und den Dörfern der Goldenen Aue.

Überrascht es dich, dass du dich in unserem Gemeindebrief vorstellen kannst?

Ich denke, es ist immer interessant, wenn ein neues Gesicht in die Gemeinden kommt. Für Nachwuchs besteht außerdem in unserer Kirche großer Bedarf. In meiner ersten Zeit habe ich oft die Freude wahrgenommen, dass es auch in Zukunft noch Pfarrer und Pfarrerinnen geben wird.

Was macht ein Vikar den ganzen Tag? Gibt es konkrete Pläne oder Projekte, an denen du mitarbeiten wirst?

Mein halbjähriges Schulpraktikum am Humboldt-Gymnasium habe ich bereits hinter mir. Nun soll ich erfahren, wie Gemeindearbeit als Pfarrer aussehen kann. Ich darf meinen Mentor Klemens auf jedes seiner Arbeitsfelder begleiten und soll Stück für Stück mitwirken und übernehmen. Ich darf einen Blick in die Arbeit der Menschen rund um die Kirche und darüber hinaus werfen. So war ich schon beim Bestatter, dem Raum für Trauer, der Kantorin und darf noch ein Praktikum im Ökumenischen Kindergarten und im Kreiskirchenamt machen. Als eine meiner Abschlussprüfungen ist ein gemeindepädagogisches Projekt geplant. Eine Idee werden Klemens und ich bei den sogenannten „Tandemtagen“ im Predigerseminar in Wittenberg entwerfen. Dieses Predigerseminar darf ich ungefähr jede zweite Woche für verschiedenste Module besuchen. Sogar für Kinderbetreuung ist dort gesorgt.

Wo wohnst du mit deiner Familie und wie bist du erreichbar?

Wir wohnen in Liebenrode in der Region Nordwest im Pfarrhaus neben der Kirche. Ich bin immer erreichbar über meine Telefonnummer 017643288710.

Was ist dir bisher in der Nordhäuser Kirchenszene aufgefallen?

Ich war überrascht! Es gibt eine große Vielfalt an christlichen Gemeinschaften und man findet immer wieder zusammen zu Gottesdiensten, Gesprächsrunden, Bibelwochen. Es gibt einen ökumenischen Kindergarten. Das ist großartig!

Was sind deine persönlichen Stärken und Schwächen?

Die Frage braucht viel Ehrlichkeit. Ich würde sagen, dass zu meinen Stärken zählt, dass ich sehr offen auf anderen Menschen zugehen kann, ohne das Gefühl zu haben, mich verstellen zu müssen. Auch meine Direktheit würde ich als Stärke sehen, durch die ich andere gut ins Boot holen kann für Projekte und Ideen. Diese Direktheit kann anderen aber manchmal zu viel werden und sie überfordern.

Ich war vier Jahre auf dem Internat in Schulpforta. Man hätte gedacht, dass man an solchen Orten ohne Mutter und Vater organisierter wird. Doch vielleicht neigt man allzu leicht dazu, mit dem Strom zu schwimmen und zu sagen, die anderen wissen schon, wo wir hinmüssen. Diese Schwäche der Nicht-Organisiertheit fällt mir manchmal auf die Füße, doch wird es mit Outlookkalender immer besser!

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, Pfarrer zu werden?

Die Idee kommt daher, dass mein Großvater Pastor war, zwei Onkel, eine Tante, eine Cousine und meine Eltern Pastoren sind. Doch den Entschluss habe ich in der Zeit als Bundesfreiwilligendienstler in der Herzschlag Kirche gefasst. Mir wurde klar, dass ich mehr über die Bibel und die Kirche erfahren wollte, damit ich in Diskussionen rund um Erlösung, Gesetz und Rechtfertigung, Sünde und Co. besser gewappnet bin!

Lohnt sich dieser Beruf heutzutage überhaupt noch? Sind deine Eltern in dieser Hinsicht Vorbilder für dich?

Lohnen tut sich das auf alle Fälle! Meine Eltern sind mir ein großes Vorbild, was den Beruf angeht. Es wurde und wird sehr gelebt, dass wir als Pfarrfamilie eine besondere Aufgabe für die Menschen um uns herum haben. Man begleitet Menschen an ihren Lebenswegpunkten, in ihren Höhen und ihren Tiefen. Das verleiht meinen Leben einen tiefen Sinn und viel Freude!

Hast du besondere Hobbies oder Interessen?

Meine größte Leidenschaft ist wohl der Fußball. Ich bin in meiner Studienzeit oft bei Hertha BSC gewesen. Selbst spiele ich für unseren Dorfverein in Liebenrode. Fußball bringt so viele Menschen zusammen. Ich liebe diesen Sport! Außerdem ist es toll, wieder auf dem Land mit den Tieren zu wohnen. Wir haben Ziegen, Pferde, Hund und Katzen, einen Esel und Hühner. Die Kinder genießen das auch sehr!

Was denkst du über die Zustände in unserer Kirche und wie stellst du sie dir vor, wenn du einmal in den Ruhestand gehst?

Egal wie viele Menschen wegen ihrer Kirchensteuer austreten, Kirche spielt im Leben der allermeisten Menschen hier immer noch eine große Rolle. Es hilft nichts, pessimistisch angesichts der Zahlen zu werden. Ich erlebe Kirche immer wieder als lebendigen und den Menschen zugewandten Raum. Wir müssen uns nur fragen, an welchen Orten wir mehr für unseren Mitmenschen tun können und uns ihnen zuwenden in ihren Fragen und Problemen. Dann bin ich mir sicher, dass, wenn ich in den Ruhestand gehe, das Evangelium immer noch verkündet wird und die Herzen erreicht.

Welche Bibelstelle ist dir im Moment grade wichtig?

Ich finde gerade viel Trost im Vers: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Er stammt aus der Erzählung der Emmausjünger, die Jesus bitten, dass er doch bleiben soll. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Das gibt mir Mut: Gott ist bei uns, er ist uns zugewandt, er ist an unserer Seite.

Die Fragen stellt Frank Tuschy.