Vorsitzende des Gemeindekirchenrates im Mai 2019


Liebe Claudia, du warst jetzt die ganzen letzten 6 Jahre Vorsitzende unseres Gemeindekirchenrates. Hast du in dieser langen Zeit jemals bereut, dieses Amt angetreten zu haben? Genau genommen werden es im Herbst sogar schon 12 Jahre sein und ja, es gab Momente in denen ich überlegt habe, ob ich dafür wirklich die Richtige bin. Bereut habe ich es aber nicht und ich schaue jetzt eher mit Staunen und auch Dankbarkeit auf diese Zeit und alles, was geschafft wurde, zurück.

Was hast du alles dafür getan, unsere Vorsitzende zu werden? Ich habe diese Funktion nie angestrebt, sondern wollte nur als einfaches GKR- Mitglied mitarbeiten. Als sich jedoch niemand aus dem damaligen GKR dafür zur Wahl stellte, hätte P. Lipski als geschäftsführender Pfarrer diese Funktion auch noch mit übernehmen müssen.
Einer der Gründe, warum ich heute nicht mehr der katholischen sondern der evangelischen Kirche angehöre ist, dass diese Kirche von „unten nach oben“ geleitet wird und auch Frauen etwas zu sagen haben. Mir war es wichtig, dieses Prinzip mit Leben zu erfüllen. Deshalb habe ich mich damals ganz spontan und mutig bereit erklärt, für ein Jahr dieses Amt zu übernehmen. Dass daraus dann einmal sogar 12 Jahre wurden, erstaunt mich im Rückblick selbst am meisten.

Was waren die größten Herausforderungen deiner Amtszeit? Ich glaube, das Wichtigste war zu lernen, mich selbst zurückzunehmen. Jeder im GKR ist ein gleichberechtigtes und wertvolles Mitglied und gute Entscheidungen können immer nur gemeinsam und nach gründlicher Abwägung aller Argumente getroffen werden. Dafür eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen, habe ich als meine eigentliche Aufgabe gesehen.

Gibt es Entscheidungen, die du aus heutiger Perspektive anders treffen würdest? Es gab glücklicherweise keine Entscheidungen, die ich allein treffen musste! Sicher waren wir hinterher manchmal schlauer und haben gedacht, hätten wir nicht doch besser…(z.B. in ein neues emeindezentrum hinter der Kirche, eine andere Lautsprecheranlage, einen anderen Putz…) investiert? Aber die Alternative wäre gewesen, sich gar nicht und damit für Stillstand zu entscheiden. Und ob eine Entscheidung richtig war, merkt man ja sowieso immer erst hinterher. Umso wichtiger ist es, nicht nur auf die eigenen Kräfte, sondern auf Gottes Segen zu vertrauen und aus diesem Vertrauen heraus etwas zu wagen.

Was sind die schönsten Erinnerungen aus den letzten 6 Jahren aus „deinem kirchlichen Leben“? Damit könnte ich leicht eine ganze Seite füllen! Gottesdienste, deren Predigten mich heute noch „verfolgen“ und im Alltag
begleiten; sehr viele musikalische Höhepunkte; die in neuem Glanz erstrahlende Kirche zur Wiedereröffnung am 1. Advent; fröhliche Gemeindefeste unter den Linden vor der Kirche; intensive GKR- Klausuren; Kinder beim Abendmahl im Altarraum, neues Leben im Altendorfer Pfarrhaus….

Was hat am meisten Kraft und Nerven gekostet? Sehr viel haben uns in den letzten Jahren natürlich die großen, teilweise gleichzeitig laufenden Bauprojekte beschäftigt. Dazu kamen lange Vakanzzeiten und Erkrankungen im Verkündigungsdienst, die überbrückt werden mussten. Das war schon sehr kräftezehrend und langwierig und konnte nur gelingen, weil ganz viele Ehrenamtliche und alle hauptamtlichen Mitarbeiter ganz selbstverständlich bereit waren, zusätzlich Aufgaben zu übernehmen. Aber auch die ein oder andere zähe Sitzung nach einem langem Arbeitstag habe ich als sehr mühsam empfunden.

Was war der größte „Schlag ins Wasser“ oder Misserfolg? Es ist uns leider nicht gelungen, mehr Kräfte durch eine engere Zusammenarbeit mit der Gemeinde der Frauenbergkirche zu bündeln. Ich habe sogar das Gefühl, dass wir uns weiter voneinander entfernt haben. Das macht mich traurig.

Wo hat sich dein Einsatz am meisten gelohnt? Es sind die vielen kleinen und großen Dinge, die wir uns in den letzten Jahren getraut haben gemeinsam anzupacken. Dass es uns gelungen ist, dranzubleiben und etwas zu einem guten Abschluss zu bringen, dazu habe ich hoffentlich beitragen können.

Was zeichnet die Situation in unserem GKR aus? Warum lohnt es sich, dort mitzuarbeiten? Wir haben zu einem guten Arbeitsstil gefunden, der auf gegenseitiger Wertschätzung basiert. Auch strittige Themen konnten wir sachlich diskutieren und zur Entscheidung bringen. Nie musste eine Sitzung wegen mangelnder Teilnahme abgesagt oder Entscheidungen deshalb vertagt werden. Es hat sich bewährt, dass wir so viele Mitglieder in den GKR gewählt und auch die Nachrücker gut eingebunden haben. Jede/R hat sich mit ihren/seinen Gaben so gut wie möglich eingebracht und konnte sich dabei immer auf das tolle Team der hauptamtlichen Mitarbeiter verlassen.
Und bei aller Mühe macht es eben doch auch Spaß, aktiv mit gestalten zu können und sich dann darüber zu freuen, wenn es gut gelungen ist.

Was steht aus Sicht des alten GKR in den nächsten Jahren an? Gibt es
besondere Herausforderungen?
Nachdem uns in den letzten Jahren die
Bauprojekte sehr beschäftigt haben, sollte jetzt der Fokus wieder stärker auf die Gemeindeentwicklung gerichtet werden. Hoffnungsvolle Ansätzen dafür (Kinderkirche, kreuz & quer, eine neue web- Seite….) haben wir in einer Klausur vor einem Jahr erarbeitet und begonnen. Jetzt ist es wichtig, dranzubleiben und auch neue Leute dafür zu begeistern.

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Kategorien: Interviews